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Die Abmahnung – und warum sie vor Gericht trotzdem scheitert!

Die Abmahnung – und warum sie vor Gericht trotzdem scheitert!

Viele Arbeitgeber mahnen ab, wenn ein/-e Mitarbeiter:in etwas falsch macht. Das ist richtig so. Aber in der Praxis sehe ich immer wieder dieselben Fehler – und die können im späteren Kündigungsschutzprozess teuer werden.

1. Kein konkreter Sachverhalt: „Unpünktlichkeit“ oder „schlechte Arbeitsleistung“ reichen nicht. Die Abmahnung muss das Fehlverhalten so konkret beschreiben wie möglich, ähnlich einem Polizeibericht mit Datum, Uhrzeit, genauem Vorfall und idealerweise der Benennung von Zeugen. Nicht: „Sie erschienen in den letzten 3 Monaten wiederholt zu spät.“ Sondern: „Am 7. April 2026 erschienen Sie um 09:47 Uhr am Arbeitsplatz, obwohl Ihre Arbeitszeit um 09:00 Uhr beginnt.“

2. Keine klare Rüge: Es muss unmissverständlich klargestellt werden, dass das Verhalten arbeitsvertragswidrig ist. Weiche Formulierungen wie „wir bitten Sie, das zu ändern“ genügen nicht.

3. Keine Kündigungsandrohung: Ohne den Hinweis, dass bei Wiederholung eine Kündigung droht, ist die Abmahnung als Warnfunktion wertlos.

4. Zu alte Vorfälle: Eine Abmahnung verliert mit der Zeit ihre Wirkung. Wer einen Vorfall monatelang auf sich beruhen lässt und dann doch abmahnt, hat ein Problem. Besser: Vor Ausspruch der Abmahnung eine Anweisung aussprechen und eine konkrete Änderung des geduldeten Fehlverhaltens anordnen. Erst bei erneutem Verstoß abmahnen!

5. Mehrere Vorfälle vermischen: Für jeden eigenständigen Pflichtenverstoß gehört eine eigene, klare Darstellung rein. Wer alles in einen Topf wirft, riskiert, dass die gesamte Abmahnung unbrauchbar wird.

6. Den Abmahnungssatz vergessen: Nach der Auflistung aller Pflichtverletzungen muss ausdrücklich stehen: „Diese mahnen wir hiermit einzeln ab.“ Klingt banal – wird aber regelmäßig vergessen.

7. Keine Zustellung nachgewiesen: Eine Abmahnung, die die Arbeitnehmer:innen nicht nachweisbar erreicht hat, existiert rechtlich kaum. Ideal wäre persönlich gegen Unterschrift oder per Bote.

Und zum Schluss: Die Abmahnung gehört in die Personalakte. Arbeitnehmer:innen sind im Schreiben darüber zu informieren. Sie haben das Recht, eine Gegendarstellung beizufügen.

Veröffentlicht
14.10.2026
Autorin
Carmen Schreib bei Asche Stein Rechtsanwälte in Hamburg
Carmen Schreib
Rechtsanwältin und Partnerin Fachanwältin für Arbeitsrecht
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